
Katalognummer: JUBALmusic 001101
Die legendäre und lange vergriffene sechsteilige Serie Deutsche Marschmusik 1948–1962 mit dem Musikkorps der Schutzpolizei Berlin (später umbenannt in Polizeiorchester Berlin) unter der Leitung seines Gründers Heinz Winkel ist jetzt endlich wieder verfügbar. Die Sammlung vereint traditionelle preußische, deutsche und europäische Marschmusik, Berliner Operettenklassiker und sogar zeremonielle Musik, denn das Ensemble hatte in der Zeit des geteilten Berlin auch protokollarische Aufgaben zu übernehmen.
1
Marsch der Schutzpolizei
Heinz Winkel
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
2
Berliner Luft
Paul Lincke
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
3
Untern Linden
Walter Kollo
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
4
Deutschlands Ruhm
Martin Schröder
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
5
Großherzog Friedrich von Baden
Carl Haefele
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
6
Revue-Marsch, AM II, 258; HM II, 115
August Reckling
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
7
Fahnengruß
Hansgeorg Otto
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
8
Zum Städtel hinaus
Georg Meissner
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
9
Unsere Marine
Richard Thiele
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
10
Hipp, hipp, hurra!
Georg Kunoth
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
11
Radetzky-Marsch, op. 228
Johann Strauß I
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
12
Wien bleibt Wien
Johann Schrammel
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
14
Fliegermarsch
Hermann Dostal
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
15
Muss i denn…
Gustav Gnauck
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
16
Nun ade, du mein lieb' Heimatland
Gustav Gnauck
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
17
Tölzer Schützenmarsch, op. 8
Anton Krettner
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
18
Gruß an Oberbayern
Georg Freundorfer
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
19
Die Regimentskinder, op. 169
Julius Fučík
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
20
Allen voran
Kurt Engel
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
21
Steinmetz-Marsch
Karl Bratfisch
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
22
Kaiser-Friedrich-Marsch, op. 66
Carl Friedemann
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
23
Großer Zapfenstreich I
Wilhelm Friedrich Wieprecht
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
24
Großer Zapfenstreich II
Dmitri Bortnjanski, Joseph Haydn
Musikkorps der Schutzpolizei Berlin, Männerchor der Schutzpolizei Berlin, Heinz Winkel
Das Polizeiorchester Berlin war der musikalische Repräsentant des Landes Berlin und seiner Polizei und hat die Stadt in ihrer wechselvollen, bewegten Geschichte musikalisch begleitet und dabei nicht nur bei offiziellen Anlässen, sondern auch bei unzähligen Konzerten sowie in Rundfunk- und Fernsehübertragungen die Herzen seiner Zuhörer erobert. Zahlreiche Konzertreisen im In- und Ausland, mehrere erste Preise bei internationalen Wettbewerben sowie CD-Produktionen, die besonders im Ausland große Beachtung fanden, begründeten das hohe Ansehen, welches das Polizeiorchester Berlin auch und gerade in Fachkreisen genoss.
Als am 14. Dezember 1948 der damalige Polizeipräsident die Bildung eines Musikkorps der Berliner Polizei verfügte, sicherte er damit den Fortbestand einer hundertjährigen Tradition, denn die erste Erwähnung eines Musikkorps der Polizei, bestehend aus 18 Schutzleuten und 24 Polizeisängern, stammte aus dem Jahr 1850. Fritz Brase, der ehemalige Musikdirektor des Kaiser-Alexander-Regiments, erhielt dann 1919 den Auftrag, ein Musikkorps für die neue, republikanische Sicherheitswehr aufzustellen. Berühmte Dirigentenpersönlichkeiten wie Clemens Schmalstich, Leo Blech und Max von Schillings festigten in der Folgezeit den renommierten Ruf dieses „Sinfonieorchesters der Schutzpolizei“.
In der Neubestimmung des musikalischen Konzepts nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das militärische Präsentierprotokoll in den Hintergrund gedrängt. Polizeimusik sollte stilistisch ziviler klingen, sich am Zeitgeschmack orientieren und Bürgernähe signalisieren. Heinz Winkel übernahm die Pionierarbeit, und von Stund an erspielte sich das Orchester bei polizeilichen Großveranstaltungen, Pfingstkonzerten im Berliner Zoo, im Olympiastadion und bei unzähligen Platzkonzerten einen hochkarätigen Platz im Herzen der Berliner, seit 1952 unter der Leitung von Wilhelm Schulze. Nach der Teilung der Stadt durch den Mauerbau 1961 übernahm das Polizeiorchester zusätzlich die Rolle eines protokollarischen Orchesters und spielte nun als offizieller Vertreter der Stadt bei Staatsbesuchen in West-Berlin. Darüber hinaus wurde es in dieser Eigenschaft als klingender Botschafter in die Metropolen der Welt entsandt.
Der dritte Nachkriegsdirigent, Herbert Domagalla, erweiterte von 1966 an das Repertoire über die Blasmusik hinaus bis hin zur Oper und Operette, zum Musical und Swing. Er reformierte die konservative Besetzung, inspirierte namhafte Arrangeure zu einfallsreichen Instrumentierungen und vollzog damit eine Wendung, die dem Orchester auch in Konzertsälen künstlerische Anerkennung zuteilwerden ließ.
Als das Orchester 1973 anlässlich seines 25-jährigen Bestehens nach dem Kriege von „Musikkorps der Schutzpolizei Berlin“ in „Polizeiorchester Berlin“ umbenannt wurde, dokumentierte sich ein längst vollzogener Wandel im Charakter des Orchesters nun auch in seinem Namen.
Michael Kern, aus dem Orchester als studierter Klarinettist und Absolvent der Dirigentenklasse hervorgegangen, setzte als neuer Leiter seit 1977 den vorgegebenen Aufwärtstrend zielstrebig fort. In zahlreichen Auslandsgastspielen, Gala-Konzerten, Fernsehaufzeichnungen und Schallplattenproduktionen festigte sich das Ansehen des gesamten Klangkörpers zu einem international anerkannten Blasorchester. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 wuchsen die Anforderungen im nunmehr wiedervereinten Berlin weiter. Das große Orchester sowie Big Band, Combo, Blechbläserensemble und Kammermusik des Berliner Polizeiorchesters absolvierten jährlich mehr als 200 Auftritte, zu denen seit Mitte der Neunzigerjahre auch Schulkonzerte im Rahmen des Anti-Gewalt-Programms in Verbindung mit dem Landeskriminalamt gehörten. Das Orchester wirkte hier in besonderem Maße für die Polizei, förderte ihr Ansehen und beseitigte Berührungsängste im Spannungsfeld „Bürger kontra Staatsgewalt“. Darüber hinaus war es Werbe- und Sympathieträger der Berliner Polizei in allen großen Berliner Konzertsälen ebenso wie bei Open-Air-Veranstaltungen und stand der Senatskanzlei und anderen Senatsverwaltungen für hochrangige Anlässe als Protokollorchester zur Verfügung - Aufgabenbereiche, die sich seit der Entscheidung für Berlin als Hauptstadt und Regierungssitz noch verstärkten. Bemerkenswert war der Einsatz des Polizeiorchesters bei nicht zu zählenden karitativen Veranstaltungen in der Stadt und insbesondere bei Benefizkonzerten, u. a. in der Auenkirche, Berlin-Wilmersdorf, zugunsten der Initiative „Kinder in Gefahr“.
Aus dieser Aufgabenvielfalt resultierte die Notwendigkeit eines breitgefächerten Repertoires, das von traditioneller Blasmusik und Märschen über Bearbeitungen klassischer symphonischer Werke sowie Opern, Operetten und Musicals bis hin zu allen Formen zeitgenössischer Unterhaltungsmusik wie Jazz-, Rock- und Popmusik reichte. Deshalb waren ein abgeschlossenes Musikhochschulstudium und die profunde Kenntnis und Beherrschung verschiedenster musikalischer Stilrichtungen für die 40 Musiker des Orchesters genauso notwendig und selbstverständlich wie für ihren seit 1999 im Amt befindlichen musikalischen Leiter Peter Feigel. Nach Kirchenmusik- und Kapellmeisterstudium war er als Orchesterdirigent und Pianist ebenso tätig wie als Kantor und Chorleiter. Das klingende Ergebnis dieser fruchtbaren Zusammenarbeit und der von ihr ausgehenden neuen künstlerischen Impulse wurde auf mehreren CDs eindrucksvoll dokumentiert.
Auf Beschluss des Senats wurde das Polizeiorchester Berlin zum Jahresende 2003 aufgelöst.